Wie beugen Sie einer Überforderung vor?


Wenn die eigenen Eltern immer mehr Unterstützung benötigen, laufen die erwachsenen Kinder oft Gefahr, dass sie sich zu viel zumuten, weil sie es ihren Müttern und Vätern recht machen wollen. In unserem Interview erklärt Coach Maya Schaufelberger, worauf man selbst bei einer hingebungsvollen Betreuung achten sollte.

Insbesondere, wenn die Mutter oder der Vater krank wird und eine medizinische Diagnose vorliegt, kann das die Angehörigen stark belasten.

Kann die Betreuung von betagten Eltern zu einer Überbelastung führen?

Ja, auf jeden Fall. Unsere Erfahrung zeigt, dass viele Facetten zu einer möglichen Überbelastung führen können. In unserem Team unterscheiden wir zwischen den Richtungen „Erschöpfungszustand/Burnout“ und „Diagnose“. Insbesondere, wenn die Mutter oder der Vater krank wird und eine medizinische Diagnose vorliegt, kann das die Angehörigen stark belasten. Dies ist mein Spezialgebiet. Es ist ein grosser Unterschied, wann ich zur Unterstützung beigezogen werde. Die sogenannten „Sturmzeiten“ sind anders zu begleiten, als wenn die Betagten schon länger mit der Diagnose leben.


Sind hauptsächlich Frauen betroffen?

Nein. Frauen gehen anders damit um. Eine Frau überlegt in allen möglichen Szenarien. Der Mann setzt sich erst dann mit der Problematik auseinander, wenn sie da ist.

Wie erkennt man, dass eine Situation zu belastend ist?

Jeder muss individuell für sich entscheiden, was sich gut oder schlecht anfühlt. Sich die „Schwäche“ einzugestehen oder diese sogar nach aussen zu tragen, braucht sehr viel Mut. Jeder definiert selber für sich, wann es Zeit für eine Veränderung ist.


Wie beugt man einer Überforderung vor ?

Gönnen Sie sich regelmässig und bewusst etwas Gutes. Das steigert nicht nur die Lebensfreude, sondern reduziert auch den negativen Stresspegel enorm. Wichtig ist auch das eigene Bewusstsein, was die Seele nährt und was Lebensfreude vermittelt.

Deine erste Pflicht ist, dich selbst glücklich zu machen. Nur wer glücklich ist hat Kapazität für andere.

Was raten Sie, wenn sich die Grossmutter von den erwachsenen Kindern nicht helfen lässt?

Wir erteilen keine Ratschläge. Jeder trägt die Lösung in sich. Wir unterstützen nur die Lösungsfindung und den Transfer in den Alltag.


Wie würden Sie ein schwieriges Gespräch starten? Also z.B. um zu sagen, dass man eine bestimmte Hilfeleistung (wie Wäsche waschen, Einkaufen) nicht mehr erbringen will oder kann?

Das ist sehr situationsabhängig und kommt stark auf das Gegenüber an. Manchmal braucht es eine wertschätzende Schulterklopferin oder dann eine ermutigende Anstupserin.


Muss man zugunsten der Betagten alle Bedürfnisse zurückstecken?

Nach unserer Ansicht muss man das nie und niemals. Jeder Mensch, ob Jung oder Alt, muss als Ganzes gesehen werden und seine Bedürfnisse sind zu respektieren. Auch wenn dies nicht immer allen gefällt.


Welches sind die grössten Ängste der Angehörigen?

Die Angst vor dem Unbekannten ist meist so lange gross, bis die Ausgangssituation geklärt ist. Dann verringert sich meistens die Angst und wir können erfolgreich Lösungswege suchen, um diese bestmöglich in den Alltag zu integrieren.


Wo können Angehörige ihre Eltern am besten entlasten? Was ist wichtig, was nötig?

Über allem steht die Kommunikation.

· Schwierigkeiten transparent machen

· Sachen beim Namen nennen

· Lösungen suchen

· Implementieren in den Alltag.


Zur Person


Maya Schaufelberger, Coach,

bildet zusammen mit Christina Boss das Team von Zwei Coaches (www.zwei-coaches.ch).


Maya Schaufelberger (48) ist seit 22 Jahren verheiratet und begleitet ihre zwei Kinder in ihrer Anderssein-Geschichte. In Schul- und Arztgesprächen musste sie Stärke entwickeln, um für die Bedürfnisse ihrer Kinder einzustehen. „In der Ausbildung zum Coach habe ich erkannt, welche wichtigen Eigenschaften ich mir dadurch angeeignet hatte. Wichtig ist, eine Haltung zu seinem Thema zu finden, das erleichtert und gibt Sicherheit. Jeder ist einzigartig und hat seine eigene Geschichte. Ich begegne jedem Menschen mit Respekt und Wertschätzung. Ich bin eine ehrliche Prozessbegleiterin mit klarer Haltung, respektvolle Zuhörerin und ausserdem eine wertschätzende Schulterklopferin.“


Funktion/Ausbildung

Coach

• wingwave® Coach

• Magic Words Trainerin

• Dipl. Familiencoach ECA

• Dipl. Integral Coach ECA

• Dipl. Gesundheitstrainerin HLS


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